Sextoys: Geiles Design

SZ 29.11.15

Kein Grund mehr, sich zu schämen: Vibratoren und Dildos sehen inzwischen so clean aus, als kämen sie direkt vom Apple-Gestalter. Das hat Vorteile für die Käufer.

Auszüge: Man könnte wohl sagen, dass auch das iPhone schon ein Art Sextoy ist – nicht so sehr, weil es vibriert, sondern weil viele Nutzer eine ganze Reihe von Apps auf ihm vereinen, die mit Sex oder Sexanbahnung zu tun haben: … Vor diesem Hintergrund erscheint es recht logisch, wenn seit einiger Zeit von Seiten der Sextoy-Industrie eine Annäherung an die Apple-Ästhetik stattfindet. Abgesehen davon, dass sich diese ohnehin in alle möglichen anderen Bereiche – Wasserkocher, Kopfhörer, Staubsauger – fortgepflanzt hat. Warum nicht auch in den Bereich der Intimität?…

Das Design von Sextoys erlebt gerade eine Emanzipation von alten schamhaften Vorstellungen. Vor allem von jener, ein Sextoy sei ein Ersatz für irgendetwas. Am deutlichsten zeigt sich dieses Verständnis vielleicht im „Vesper“-Stab, der von der Firma Crave aus San Francisco hergestellt wird. Ein betont schlicht gestalteter Stahlvibrator, 9,6 Zentimeter lang, 1,7 Zentimeter Durchmesser, vergoldet oder versilbert und über einen USB-Port aufladbar. Man soll den Vesper ganz selbstbewusst als schmucken Kettenanhänger um den Hals tragen, und der Hersteller schlägt vor, ihn zusätzlich mit einer persönlichen Gravur zu veredeln – etwa mit dem Diktum „Take your pleasure seriously“ (Nimm dein Vergnügen ernst). Der Satz wird dem legendären Architekten und Designer Charles Eames zugeschrieben.

Auffällig am Vesper-Stab – oder auch dem Silikon-Vibrator „Whoop.de.doo“ (Foto), der optisch eher einem weißen iPhone ähnelt als einem klassischen Dildo – ist, dass er optisch keinen Körperteil imitiert. Produkte wie diese entkoppeln so das Verständnis körperlicher Lust von traditionellen Vorstellungen von Geschlecht, sexueller Identität und Beziehung.

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